29.04.2015

VHS Kochergespräch

Kategorie: Presse

EBM Bettina Wilhelm im Gespräch mit Dr. Gisela Schneider / Foto: VHS

Der Mensch ist die Medizin des Menschen.

Dr. Gisela Schneider sprach im VHS-Kochergespräch über ihren ärztlichen Kampf gegen Ebola.

Erste Bürgermeisterin Bettina Wilhelm hatte beim VHS-Kochergespräch im Haus der Bildung Dr. Gisela Schneider zu Gast, die als Ärztin monatelang in Westafrika die Ebola-Epidemie bekämpfte. Was die Tübingerin hierüber berichtet, verfolgen 30 Zuhörer so gebannt, dass man die berühmte Stecknadel fallen hören könnte.

Als in Westafrika Anfang 2014 die bisher schwerste Ebola-Epidemie der Weltgeschichte aus-bricht, entschließt sich Gisela Schneider, vor Ort zu helfen. In Sierra Leone wird die mutige Frau mit einer großen medizinischen Problemlage konfrontiert: "Was wir mit HIV in 10 Jahren erlebt haben, haben wir mit Ebola in 10 Tagen erlebt", erklärt Schneider. Hinzu kommt ein vollständiger Zusammenbruch des gesellschaftlichen Lebens. „Das, was uns als Menschen ausmacht, nämlich Nähe und Körperlichkeit, wurde zur Gefahr“, verrät Gisela Schneider. Immer wieder werden Ausgangssperren für 6 Millionen Menschen verhängt. „Ich mag mir gar nicht vorstellen, was in Deutschland los wäre“, stellt Bettina Wilhelm nachdenklich fest. Der Kampf gegen Ebola umfasste somit nicht nur klassische Medizin, sondern machte auch schwere Eingriffe in kulturelle Bräuche notwendig. Die Veränderung der Leichenbestattung von rituellen Waschungen zu Feuerbestattung ohne direkten Körperkontakt war hierbei eine Schlüsselmaßnahme, erklärt Schneider.

Nach langem Kampf konnte Ebola eingedämmt werden, ist aber noch keinesfalls endgültig besiegt. Gisela Schneider kehrte vor wenigen Monaten zurück nach Deutschland. Auf die Frage von Bettina Wilhelm, ob sie Angst um ihr eigenes Leben gehabt habe, antwortet die Ärztin klar und deutlich: Die Gefährlichkeit ihres Engagements sei ihr bewusst, sie würde es aber trotzdem jederzeit wieder tun. Schließlich steht für sie ein Leitsatz fest: „Der Mensch ist die Medizin des Menschen“.