20.09.2017

So kann Integration gelingen

Kategorie: Presse

Foto (v.l.n.r.): Familie Arif im Haus der Bildung / Foto: Martin Weis

Seit Mitte August ist Sarko Ahmed Arif (35 Jahre alt) zunächst für ein Jahr bei den Stadtbetrieben Schwäbisch Hall beschäftigt. Zuvor hatte er im Projekt Deutsch@Beruf im Haus der Bildung ein Jahr lang intensiv Deutsch gelernt, an Betriebsbesichtigungen und  Seminaren zur Vorbereitung auf die Arbeitswelt teilgenommen und Praktika gemacht. ‚Eingesetzt ist Arif in der Abteilung Friedhöfe.  
"Das Projekt ist der beste Beweis, dass ohne Sprachbarriere eine Integration von Flücht-lingen in Beschäftigungsverhältnisse überhaupt erst möglich wird und für Arbeitgeber und die neuen Arbeiter Erfolge und Freude an der Arbeit generiert werden“, resümiert der Leiter der Stadtbetriebe Rolf Wellinger die Erfahrungen der beiden ersten Wochen. Sarko Arif sei sehr motiviert, zuverlässig, verfüge über handwerkliches Geschick und könne dank guter Grundkenntnisse der deutschen Sprache bei allen Arbeiten eingesetzt werden. „Deutschkenntnisse sind zwingend erforderlich, schon allein um die vorgeschriebenen  Sicherheitsunterweisungen am Arbeitsplatz durchführen zu können;“ so Wellinger. Um die Sprachkenntnisse weiter zu verbessern, geht Arif weiter einen Tag in der Woche zum Sprachkurs in die Volkshochschule. Überzeugt vom guten Konzept und den guten Erfahrungen werden die Stadtbetriebe ab Oktober einen zusätzlichen Projektarbeitsplatz zur Verfügung stellen und einen weiteren Projektteilnehmer beschäftigen.
Sarko Ahmed Arif ist mit seiner Frau Avesta und seinen zwei Kindern aus dem Irak über die Türkei mit dem Boot nach Griechenland geflüchtet und von dort über die Balkanroute nach Deutschland gekommen. Seit Februar 2016 lebt die Familie in Schwäbisch Hall, die 10jährige Tochter geht in die 3. Klasse, lernt schnell deutsch sprechen und kann auch schon etwas schwäbisch. Der Sohn besucht den Kindergarten. „Im Friedhof mache ich viele unterschiedliche Arbeiten, habe Rasen gemäht, Hecken und Bäume geschnitten. Ich habe geschaut, dass es auf den Wegen sauber ist. Die Arbeit hilft mir, mein Deutsch zu verbessern. Ich verstehe nicht immer alles, aber mein Chef unterstützt mich und hilft mir weiter, wenn ich ein Wort nicht kenne. Ich verstehe mich gut mit meinen Kollegen, wir sind dort ein gutes Team“, erzählt Arif.
Unter der Schirmherrschaft von Landrat Gerhard Bauer und Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim ist das Projekt im September 2016 mit 16 Teilnehmenden aus Syrien und dem Irak gestartet. Deutsch sprechen konnte niemand, „Wir haben in diesem Jahr viel gelernt. Im Unterricht haben wir sechs Bücher in sieben Monaten durchgearbeitet. Es ist manchmal anstrengend, man muss auch zuhause lernen, es ist aber okay“, so Arif. Ergänzt wurde der Sprachkurs durch Kurse und Seminare zur Kompetenzermittlung, interkulturellem Training und Vorbereitung auf die Arbeitswelt,  Betriebsbesichtigungen, Hospitationen und Praktika in den Projekt-Partnerunternehmen   vermittelten einen Einblick in den Arbeitsalltag der 14 beteiligten Unternehmen, um eine möglichst große Passgenauigkeit zu erreichen. „Auch wenn das Bewerberprofil und die Erwartungen der Projekteilnehmenden nicht immer mit den Arbeitsplatzanforderungen in den Unternehmen kompatibel waren, so hatten neun Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach dem ersten Jahr ein Arbeits- oder  Ausbildungsstellenangebot“, so die Zwischenbilanz von VHS-Geschäftsführer Thomas Gerstenberg. Wer keinen Arbeits- oder Ausbildungsplatz hat, könne in weiteren Sprachkursen auf unterschiedlichen Niveaustufen entsprechend dem persönlichen Leistungsstand sine Deutschkenntnisse verbessern.
Die Volkshochschule ist zusammen mit der Bildungsregion Schwäbisch Hall, dem Mehrgenerationentreff im Haus der Bildung und dem Freundeskreis Asyl Träger des Projekts. „Alleine könnte keine Einrichtung dieses Projekt schultern. Unsere Stärke sind die vielfältigen Kompetenzen und Ressourcen, die in unserem Projekt gebündelt werden. Dies gilt in ganz besonderer Weise auch für die Unterstützung durch die Unternehmen“, so Gerstenberg. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesamt für Migration und Flücht-linge, den Landkreis und die Stadt Schwäbisch Hall. Das Projekt wird im Rahmen einer Bachelorarbeit an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg evaluiert.