05.10.2016

Hoher Blutdruck – was tun?

Kategorie: Presse

Dr. Lothar Jahn bei seinem DIAKademie-Vortrag / Foto: VHS

Der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Ärztliche Direktor am Diakonie-Klinikum Schwäbisch Hall, Privatdozent Dr. Lothar Jahn, eröffnete im Haus der Bildung die DIAKademie am 04.10.2016.

Die erfolgreiche Vortrags-Kooperation zwischen Volkshochschule und Diakonie-Klinikum Schwäbisch Hall geht in ein neues Semester. Sie bringt Betroffene und Experten jeden ersten Dienstag im Monat  zusammen. Dabei berichten DIAK-Ärzte allgemein verständlich den neuesten Stand der Forschung zu aktuellen Themen der Medizin.

So war der Musiksaal auch am 4. Oktober wieder gut gefüllt, als Dr. Jahn zu einer Volkskrankheit referierte. Bei fast jedem Dritten in Deutschland besteht Bluthochdruck. Oft treten dabei wenig oder gar keine Beschwerden auf und die Folgen zeigen sich erst nach Jahren. Diese Folgen eines nicht behandelten Bluthochdrucks können aber schwerwiegend sein. Schlaganfall und Herzinfarkt, Nierenversagen und Erblindung sind dabei nur die bekanntesten Beispiele. Wer unter plötzlichen Brustschmerzen, Atemnot, Übelkeit, Seh- oder Sprechstörungen und schweren Kopfschmerzen leide, solle sofort ins Krankenhaus. Der Chefarzt der Klinik für Herz- und Gefäßerkrankungen informierte sowohl über den Notfall als auch vor allem über Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten eines hohen Blutdrucks. Gleichzeitig nannte er Wege, den Bluthochdruck zu vermeiden.

Zunächst die gute Nachricht: Bluthochdruck ist praktisch immer behandelbar, so Dr. Jahn. Allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit an hohem Blutdruck zu erkranken mit zunehmendem Alter. So ist ein niedriger oder normaler Blutdruck in jüngeren Jahren, d.h. unter 50, kein sicheres Indiz, dass man ihn ein Leben lang hat. Ab 60 Jahren wird bei jedem Zweiten in Deutschland ein hoher Blutdruck messbar. Dabei spricht man von schwerem Bluthochdruck bei Werten von über 180 : 110. Als Faustregel gilt ein Wert von 140 : 90 mmHg als normal. Die Zahlen geben jeweils den Systolischen  oder oberen Wert, beim Zusammenziehen des Herzens, und den diastolischen unteren, bei dem sich die Herzkammern wieder mit Blut befüllen, Wert an. Den Blutdruckwert sollte jeder kennen. Dazu muss man nicht zum Arzt, sondern kann selbst mit einer Armmanschette oder einem Handgelenkmessgerät den Blutdruck messen. Wichtig dabei ist, dass das Handgelenk auf Herzhöhe gehalten wird. Außerdem sollte man fünf Minuten ruhig sitzen und vor der Messung weder Alkohol noch Kaffee getrunken oder Medikamente genommen haben. Bluthochdruck oder Hypertonie ist in den allermeisten Fällen eine eigenständige Krankheit. Nur bei 5% der Patienten steigt der Blutdruck als Folge einer anderen Krankheit wie der Schlafapnoe, also Schnarchen und Atempausen im Schlaf mit Tagesmüdigkeit.

Die Behandlung des Bluthochdrucks ist äußerst individuell. Dazu gehört zunächst eine klare Diagnose, bei der möglichst häufig selbst der Blutdruck gemessen und notiert wird. Dazu bietet z.B. die Deutsche Herzstiftung sowohl Messbüchlein wie umfangreiches Informationsmaterial gegen eine geringe Gebühr an (www.herzstiftung.de). Des Weiteren müssen alle Risikofaktoren und Begleiterkrankungen wie z.B. Diabetes erfasst werden, auch ob eine erbliche Belastung ausgeschlossen werden kann. Danach kann entschieden werden, wo die Therapie angesetzt wird. Dr. Jahn empfiehlt eine Mischung aus Umstellung des Lebensstils, der Ernährung und der Einnahme von Medikamenten. So kann am Anfang stehen, nicht immer erreichbar zu sein und neue Wege zum Umgang mit Stress zu finden. Dazu kommt, seine Kost auf eine mehr mediterrane umzustellen. Das bedeutet: mehr Gemüse und Obst, mehr pflanzliche Fette, ab und zu Fisch, weniger Salz. Da Übergewicht, Bewegungsmangel, ein Zuviel an Alkohol und Rauchen ebenfalls zu hohem Blutdruck beitragen, ist hier die Richtung klar. Dabei ist jeder Schritt besser als keiner. Empfehlenswerte Bewegungsarten sind Laufen, Schwimmen, Radfahren. Zu allen Bereichen bietet die Volkshochschule Kurse an, in denen eine gesunde Ernährung, Formen der Entspannung von Autogenem Training bis Yoga und viele Bewegungsformen mit Spaß, in der Gruppe und mit ausgebildeten Trainern erlernt und angewandt werden können. Die Therapie durch Medikamente ist ebenso vielfältig und kann ACE-Hemmer, Sartane, Diuretika, Calciumantagonisten oder Betablocker umfassen. Dabei dauert eine Einstellung rund drei bis fünf Monate.

Dr. Jahn beantwortete nach dem Vortrag zahlreiche Fragen des sehr interessierten Publikums umfassend und leicht verständlich. Einen Besucher lud er sogar nach dessen Schilderung seiner Symptome in die nächste Sprechstunde ein.

Die nächste DIAKademie findet am 8. November um 18 Uhr im Musiksaal, Haus der Bildung statt zum Thema: Der Schultergürtel und seine schmerzhafte Seite mit Andreas Burgschweiger, Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie.