20.09.2017

Funken, Schatten, Berge

Kategorie: Presse

Im April dieses Jahres besuchte die Düsseldorfer Künstlerin Julia Kernbach erstmals Schwäbisch Hall, um sich die Ausstellungsräume im Haus der Bildung anzuschauen. „Es ist mir wichtig, dass jede meiner Ausstellungen auf den Ort zugeschnitten ist“, erklärt sie bei der Eröffnung der Ausstellung, zu der die Volkshochschule am 21. September eingeladen hatte. Statt einer klassischen Einführungsrede erörterten die Kuratorin der Semesterausstellung, Cornelie Heller-Merschroth, und die Künstlerin in einem Dialog auf dem Podium die Herangehensweise der Fotografin an Ihre Kunst. Ihre Fotos seien keine Dokumentation, wie sonst bei Fotos üblich, keine Antwort auf die Frage „Wo war das denn?“ , sondern  eine  Auseinandersetzung mit den Bildern, die man von den Gegenständen im Kopf hat.  So entstanden im  Laufe der Jahre unterschiedliche Serien wie „Funken“,  „Schatten“ oder „Berge“,  die als Überschriften für die entstehenden Arbeiten und denen die Arbeiten im Nachhinein  zugeordnet werden. Eigene und nicht selbst gemachte Fotografien, analog und digital, dienen als Grundlage für abstrakte Bildlösungen. Dabei wird das Atelier  zum Archiv, wo die Fotos gesammelt und bearbeitet, mit Papier und Karton zu Collagen zusammengefügt werden. „Ich schaue, was passt zusammen“, meint Kernbach schlicht. So laden die Bilder mit Titeln wie „Amaryllis“, „Balkon“ oder „Madrid“  zum Entdecken ein, lassen Spielräume für eigene Interpretation und überraschen bei jedem Hinschauen durch neue Aspekte, die einem zuvor entgangen waren und lassen Assoziationen zu
Kernbach hat früh für sich die Faszination der Dunkelkammer entdeckt, die in ihrem Künstler-Elternhaus in Ravensburg zur Verfügung stand. Sie studierte von 1999 bis 2006 an der Kunstakademie Düsseldorf, wo Bernd und Hilla Becher in den späten  1970er Jahren  die Düsseldorfer Fotoschule begründeten, und  war Meisterschülerin bei Thomas Ruff, einem der bedeutendsten deutschen Fotokünstler.  „Wenn man ein Foto macht, geht das eigentlich sehr schnell. Ich möchte diesen Prozess möglichst in die Länge ziehen“  bringt Kernbach ihr Arbeiten auf den Punkt und erläutert am Ende auch den Titel der Ausstellung, Doppelexistenz.  Jeden Abzug eines Fotos gibt es auch als Negativ oder als Datei auf dem Rechner, jedes Bild existiert also quasi doppelt. Ein spannender Gesichtspunkt, der der Ausstellung eine weitere Dimension hinzufügt.
Bereits in seiner Begrüßung  hatte Oberbürgermeister Herrmann-Josef Pelgrim  auf die Wichtigkeit der niederschwelligen Kunstvermittlung als eine der Aufgaben der Volkshochschule hingewiesen.  Das offene Haus mit seinen zahlreichen und ganz unterschiedlichen Besuchern, ermöglicht es jedem, Erfahrungen mit Kunst machen zu dürfen. Die Ausstellung „Doppelexistenz“ ist bis zum 15. Dezember zu den Öffnungszeiten der VHS im Haus der Bildung zu sehen.