02.02.2017

Damit Integration gelingt - Oberbürgermeister Pelgrim besucht Projekt im Haus der Bildung

Kategorie: Presse

Gespräch OB Pelgrim /Foto: VHS

Der schnelle Erwerb fundierter deutscher Sprachkenntnisse ist eine zentrale Grund-voraussetzung für die berufliche und gesellschaftliche Integration. Seit Herbst läuft im Haus der Bildung das Modellprojekt Deutsch@Beruf. Bei einem Gespräch mit den Teil-nehmerinnen und Teilnehmern und den Projektverantwortlichen aus Volkshochschule, Bildungsregion und Mehrgenerationenhaus hat sich Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim vor Ort über den aktuellen Entwicklungsstand informiert.

„Mein Name ist Kholoud Albaroudi. Ich bin 29 Jahre alt und lebe mit meinem Mann und meinem Kind in Schwäbisch Hall. Wir sind mit dem Boot und zu Fuß nach Deutschland gekommen. Durch den Krieg war das Leben in Damaskus nicht mehr sicher, es gab nichts zu essen und keinen Strom und kein Wasser. Ich habe in Syrien Jura studiert und danach Nachhilfeunterricht gegeben. Ich möchte in Schwäbisch Hall Deutsch lernen und mir eine Zukunft für unsere Familie aufbauen“, stellt sich die Teilnehmerin in der einführenden Vorstellungsrunde vor. So wie Albaroudi lernen 16 Menschen aus Syrien und dem Irak an fünf Tagen in der Woche im Haus der Bildung  die deutsche Sprache.  Es ist eine bunt gemischte Klasse mit 4 Frauen und 12 Männern, das Durchschnittsalter liegt bei 32 Jahren.  Der Spracherwerb steht im ersten Jahr des zweijährigen Projekts zentral im Mittelpunkt.  Hospitationen, Praktika und Trainings ermöglichen parallel das Kennenlernen der Arbeitswelt. 12  Unternehmen beteiligen sich an dem Projekt. Sie übernehmen die Patenschaft für eine Projektteilnehmerin oder einen Projektteilnehmer. Im zweiten Jahr arbeiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dann vier Tage in ihrem Patenunternehmen, am 5. Tag besuchen sie einen aufbauenden berufsorientierten Sprachkurs. „Es ist beeindruckend, wie gut die Menschen hier im Kurs schon Deutsch sprechen, obwohl sie erst seit Herbst den Sprachkurs besuchen“ so Oberbürgermeister Pelgrim. Zusammen mit Landrat Gerhard Bauer ist er die Schirmherr des Projekts. Die Menschen bringen viele praktische Berufserfahrungen mit als  Automechaniker, Buchhalter,  Dekorateur, Elektroniker, Fahrer, Frisörin, Hausmeister, Lehrerin, Schneiderin, Verkäufer. Zwei Frauen haben einen Hochschulabschluss als Biologin und Juristin. Meist sind die Berufsabschlüsse aber nicht mit einem deutschen Abschluss vergleichbar.

 „Auf Empfehlung und Vermittlung der Freundeskreise Asyl und der sozialpädagogischen Fachkräfte des Landkreises hatten haben sich im Sommer über 30 Interessierte für das Projekt Deutsch@Beruf beworben. Nach Prüfung der Fördervoraussetzungen und Motivationslage sind wir dann mit 16 Menschen mit Fluchterfahrung in das Projekt gestartet“, so Thomas Gerstenberg, VHS-Geschäftsführer. Um eine möglichst gute Passgenauigkeit für den Einstieg in die Arbeitswelt zu erreichen, haben Sandra Wallrapp und Martin Weis vom Büro der Bildungsregion  und vom Mehrgenerationentreff zusammen mit Marcel Miara von der VHS  in Einzelgesprächen mit allen Beteiligten Kompetenzanalysen durchgeführt, persönliche Interessen geklärt, Lebensläufe geschrieben und Bewerbungsunterlagen zusammengestellt. In Kleingruppen wurden dann bei Gesprächsterminen in den entsprechenden Unternehmen mögliche künftige Arbeitsfelder vorgestellt. „ich bin sehr froh, dass sich 12 Unternehmen aus der Stadt und der Region an diesem Modellprojekt beteiligen. Es zeigt, dass die Unternehmen sich dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe stellen und die Chance nutzen, qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden“, so Pelgrim. Die große Herausforderung bestehe jetzt darin. die Wünsche und Kompetenzen der Teilnehmenden mit den Erwartungen und Anforderungen der Unternehmen auch im Kontext ihrer unterschiedlichen kulturellen Prägung abzugleichen.  Im Gespräch mit den Projektverantwortlichen aus Volkshochschule, Bildungs-region und Mehrgenerationentreff wurden weitere Möglichkeiten und Optionen entwickelt.

Für den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt werden die Teilnehmenden gut vorbereitet und begleitet. Mit unterrichtsbegleitenden Themenblöcken und praktischen Übungen zu interkulturelle Kompetenz, Kultur und Arbeitsleben Leben in Deutschland werden die Teilnehmenden auf Praktika vorbereitet, die in den Oster- und Pfingstferien in den jeweiligen Patenunternehmen stattfinden. „Schon in der Anfangsphase hat sich gezeigt, dass die Stärken von „Deutsch@ Beruf“ in der Zusammenführung der Kompetenzen und Ressourcen von Volkshochschule, Bildungsregion und Mehr¬generationentreff liegen. Auf kurzen Wegen unter dem gemeinsamen Dach im Haus der Bildung können die vielfältigen Kompetenzen gebündelt und Entscheidungen schnell abgestimmt werden“, erläutert Gerstenberg. Alleine könnte keine Einrichtung dieses Projekt durchführen.  Finanziert wird das Projekt durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, den Landkreis und die Stadt Schwäbisch Hall sowie durch Förder-beiträge der Unternehmen und eine Eigenbeteiligung der Projekteilnehmenden.

Beteiligte Unternehmen:
Baumschule Waller
Bäuerle Bauteam
Diakonie-Klinikum
Hotel Hohenlohe
Klafs GmbH & Co.KG
Optima GmbH
PS Mako GmbH
R. Stahl Schaltgeräte GmbH
Schwäbisch Hall Facility Management GmbH
Sonnenhof e.V.
Stadt Schwäbisch Hall
Württembergische Drahtwarenfabrik Funke GmbH &Co.KG